IVM Performance September 2026
Der August wurde im Altdeutschen auch als „Erntemonat“ bezeichnet. Und so stellt sich natürlich die Frage: Wie fällt die Ernte in diesem Jahr aus? Übertragen auf den Markt der motorisierten Zweiräder lässt sich dabei ein durchaus gemischtes Fazit ziehen.
19.031 Fahrzeuge wurden in diesem Monat insgesamt erstmals neu zugelassen. Das entspricht zwar einem deutlichen Plus von 27,1 Prozent gegenüber dem August des Vorjahres und klingt auf den ersten Blick nach einer ausgesprochen erfreulichen Entwicklung. Aber eben nur in Bezug auf das Euro-5 Folgejahr. Denn der August 2025 war selbst für das schwierige letzte Jahr ein überraschend schlechter Monat. Das relativiert leider das Ergebnis ein wenig.
Festzuhalten bleibt allerdings: In einem typischen August der vergangenen Jahre wurden zwar meist noch ein paar Fahrzeuge mehr verkauft, die Marke von 20.000 wurde dabei aber eher selten geknackt. Trotz des deutlichen Wachstums liegt der Monatswert damit noch nicht ganz auf dem Niveau, das man aus den vergangenen Jahren kennt. Viel hat allerdings nicht gefehlt.
Die Entwicklung seit Jahresbeginn sieht damit stabil aus. Der Gesamtmarkt liegt weiterhin klar auf Kurs und kommt inzwischen auf ein Plus von 24,8 Prozent. Je weiter ein Jahr fortschreitet, desto geringer werden naturgemäß auch die prozentualen Abweichungen im Trend. Nach den ersten zwei Dritteln des Jahres hat der Markt normalerweise bereits rund 80 Prozent seines Jahresvolumens erreicht. Bleibt die aktuelle Tendenz bestehen, dürfte damit auch die Marke von 190.000 Neufahrzeugen erreicht werden, wobei sich die einzelnen Fahrzeugklassen unterschiedlich entwickelt haben.
Beim Gesamttrend hat sich im Vergleich zu den vergangenen Monaten nicht allzu viel verändert. Die Motorräder verkaufen sich etwas verhaltener, als man zu Jahresbeginn vielleicht noch erwartet hatte. Ein Plus von 17,5 Prozent reicht noch nicht aus, um das Vorjahresvolumen aus Neu- und Tageszulassungen zu erreichen.
Anders sieht es bei den Fahrzeugen für die urbane Mobilität aus: Große Roller und vor allem die 125er-Klasse entwickeln sich besser als erwartet und liegen damit über der Prognose für das laufende Jahr. Gerade diese Fahrzeugklassen zeigen, dass der Markt längst nicht mehr nur vom klassischen Motorradgeschäft lebt. Für viele Käufer scheinen Praktikabilität, Alltagstauglichkeit und eine unkomplizierte Form der individuellen Mobilität zunehmend wichtiger zu werden. Der B196 ist im Vergleich zum großen Motorradführerschein nach wie vor eine recht günstige Möglichkeit, um in die 125er-Welt einzusteigen. Inzwischen ist er zu einer echten Stütze des Marktes geworden und dürfte damit seinen Anteil an der positiven Entwicklung des 125er-Segments haben.
Ein Blick auf die vergangenen zehn Jahre zeigt, wie stark die Roller inzwischen an Bedeutung gewonnen haben. Ihr Marktanteil ist von 18 Prozent im Jahr 2016 auf mittlerweile 26 Prozent gestiegen. Mehr als jedes vierte Fahrzeug, das heute beim Händler vom Hof rollt, ist damit ein Roller.
Ein Blick auf die einzelnen Motorradsegmente zeigt, dass sich an den Vorlieben der Käufer bislang nur wenig geändert hat. Nach wie vor dominieren die Naked Bikes den Markt. Mit einem Anteil von knapp 35 Prozent entfällt mehr als jedes dritte verkaufte Motorrad auf dieses Segment. Dicht dahinter folgen die Adventure-Bikes mit rund 27 Prozent. Zusammengenommen kommen diese beiden Kategorien damit bereits auf deutlich mehr als die Hälfte des gesamten Motorradmarktes.
Diese Zahlen sind auch mit Blick auf die aktuelle Wettbewerbssituation interessant. Es ist wenig verwunderlich, dass die auf den europäischen Markt drängenden chinesischen Hersteller bevorzugt Motorradmodelle aus genau diesen volumenstarken Segmenten anbieten. Naked Bikes und Adventure-Modelle versprechen aufgrund ihrer hohen Marktanteile auch ein entsprechend großes Absatzpotenzial. Gleichzeitig lassen sich diese Fahrzeugkonzepte relativ breit positionieren und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an – vom Einsteiger bis hin zum erfahrenen Motorradfahrer.
Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Das liegt sicher im Naturell des Analysten. Hilfreich ist es immer das Fehlende zu benennen, ohne aber das Vorhandene zu übersehen. Die „Ernte“ des Augusts fällt in diesem Jahr insgesamt durchaus ordentlich aus. Zwar zeigt der einzelne Monat nicht in allen Segmenten das erwartete Niveau, doch die Entwicklung des Gesamtmarktes bleibt stabil. Entscheidend für den Jahresabschluss wird nun sein, ob sich dieser Trend auch in den verbleibenden Monaten fortsetzt.
Christoph Gatzweiler ist seit mehr als 25 Jahren Ressortleiter Technik beim IVM und unter anderem zuständig für die Fahrzeugzulassungen und die Statistik.