Jetzt im April lud Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder Behörden, Organisationen und Verbände zur „Nationalen Verkehrssicherheitskonferenz“ in sein Amt in Berlin ein. Schwerpunkt der Veranstaltung, die alle zwei Jahre stattfindet, war die Landstraße. Rund 830 000 Kilometer gibt es in Deutschland und ganz viele davon ziehen Motorradfahrer magisch an.
Bei den Problemen dort – schließlich verunglücken auf diesem Straßenformat mehr Menschen schwer oder gar tödlich als auf jedem anderen Verkehrsweg – ging es natürlich auch um das Motorrad. Selbstverständlich ist damit auch die Position des IVM gefragt, denn wir engagieren uns nicht nur für optimale Bedingungen für das Fahrzeug an sich. Uns muss auch das Wohl jeder einzelnen Fahrerin und jedes einzelnen Fahrers am Herzen liegen.
Schön zu sehen bei der Veranstaltung war, dass das Motorrad nicht mehr per se als das größte Problem ausgemacht wird, auch weil unsere Unfallstatistik im Vergleich zu anderen Verkehrsteilnehmern besser aussieht, als der Ruf der Motorrad-Community in der Gesellschaft glauben machen will. Nichtsdestotrotz müssen wir uns alle bemühen, die Zahl der Verunglückten weiter zu drücken: die Fahrerinnen und Fahrer selbst durch entsprechende Fahrweise und -können, die Industrie mit immer besserer Technik und die Behörden, indem sie die Straßen wieder in Schuss bringen und Gefahrenstellen abbauen. Als IVM haben wir den Anspruch, das motorisierte Zweirad als sinnvolles Verkehrsmittel wieder mitten in der Gesellschaft zu positionieren. Die Gespräche dazu in Berlin waren hoffnungsvoll bis vielversprechend.
Die aktuellen Marktdaten unterstreichen außerdem, dass trotz der vielen schwerwiegenden Krisen das Motorrad die Menschen als Fluchtfahrzeug aus dem Alltag erreicht. Dennoch ist die Vision Zero der EU und der Bundesregierung, das Ziel „Null Verkehrstote“, kein hohler Wunsch. Die Forderung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates in diesem Zusammenhang nach einem generellen Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen zeigt: Gehen die Unfallzahlen nicht weiter zurück, wird wohl restriktiver in den Straßenverkehr eingegriffen. Es besteht also Handlungsbedarf.
Michael Sommer Uwe Seitz
IVM-Präsident IVM-Hauptgeschäftsführer